Zeit 23.09.2026
17:22 Uhr

(+) Mord an Matthias Erzberger : Hetze bis aufs Blut


Öffentliche Hetze und rechte Hasskampagnen gegen Politiker verstärkten in der Weimarer Republik ein Klima der Unversöhnlichkeit. Mit tödlichen Folgen.

(+) Mord an Matthias Erzberger : Hetze bis aufs Blut
Wie ein »brodelnder Kessel« sei »die Hauptstadt unserer neuen deutschen Republik« gewesen, erinnerte sich der Künstler George Grosz an das Berlin der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. »Überall erschollen Haßgesänge. Alle wurden gehaßt: die Juden, die Kapitalisten, die Junker, die Kommunisten, das Militär, die Hausbesitzer, die Arbeiter, die Arbeitslosen, die Schwarze Reichswehr, die Kontrollkommissionen, die Politiker, die Warenhäuser und nochmals die Juden. Es war eine Orgie der Verhetzung«. Was hielt den Kessel am Brodeln? Nicht nur Berlin, die Gesellschaft der Weimarer Republik insgesamt war stark gespalten – weltanschaulich, parteipolitisch, sozial, konfessionell, regional. Als große politische Lager und Sozialmilieus hatten sich schon im Kaiserreich die protestantischen Konservativen, die Nationalliberalen, die Katholiken und die Sozialdemokraten herausgebildet. Nur vorübergehend war ihr Widerstreit im »Burgfrieden« zu Beginn des Ersten Weltkriegs stillgelegt worden.