Zeit 29.09.2026
10:30 Uhr

(+) Otto Muehl: Was zählt am Ende mehr? Sein Werk oder seine Verbrechen?


Wien streitet über den Maler und verurteilten Sexualstraftäter Otto Muehl. Höchste Zeit, auch den Wiener Aktionismus insgesamt kritisch zu durchleuchten.

(+) Otto Muehl: Was zählt am Ende mehr? Sein Werk oder seine Verbrechen?
Gerade wurde im Wiener Aktionismus Museum (WAM) die Ausstellung Otto Muehl – Kunst am Abgrund eröffnet. Und es kam, wie es kommen musste: Schon zwei Tage vor dem Ereignis protestierten Aktivistinnen und Aktivisten, darunter viele ehemalige Mitglieder der Kommune des verurteilten Sexualstraftäters und Sektengurus Muehl lautstark mit Trillerpfeifen und Rasseln gegen die Schau. Auf Transparenten war zu lesen: »WAM – Tätermuseum«, »Verantwortung statt Personenkult«, »Wer Muehl heute verkauft, verkauft Verdrängung«. Die eigentliche Eröffnung am Folgetag verlief dann ungestört, und so hatte der ehemalige Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder, heute Direktor des WAM und Kurator der Ausstellung, die Chance, seine Sicht der Dinge darzulegen: Der 2013 verstorbene Otto Muehl habe zwar durch sexuellen Missbrauch gewaltige Schuld auf sich geladen, aber er sei eben auch ein großer Künstler, dessen Arbeiten man der Öffentlichkeit nicht vorenthalten dürfe. »Eine Ausstellung seines Werkes«, sagte Schröder, »darf weder die Bedeutung seiner Kunst durch seine Verbrechen zum Verschwinden bringen noch die Verbrechen durch die Bedeutung seiner Kunst relativieren.«