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06.10.2026
14:59 Uhr
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Shida Bazyar hat gerade mit ihrem Roman »Die Lücken« den Deutschen Buchpreis gewonnen. Ein Spaziergang mit der Autorin durch ihren Heimatort im Hunsrück

Den Kulturschock muss gewaltig gewesen sein. Die Eltern der Schriftstellerin Shida Bazyar flohen 1987 aus Teheran und zogen in den Hunsrück, das dünn besiedelte Mittelgebirge im tiefen Westen der Republik, das die meisten, wenn überhaupt, nur aus der großen Film-Trilogie Heimat von Edgar Reitz kennen. In Hermeskeil, wo ihre Tochter ein Jahr später zur Welt kam, wird bis heute ein gemütlicher moselfränkischer Dialekt gesprochen, in den man sich als Besucher doch sehr hineinhören muss, um mehr als ein Geräusch zu vernehmen. Mit Die Lücken hat Shida Bazyar gerade einen großen Roman über dieses im Nachkriegsdeutschland zur Kleinstadt herangewachsene Dorf vorgelegt. Er handelt von den einstigen Nazis und Mitläufern im Ort und von den jüdischen Opfern, aber auch von denjenigen, die – wie ihre Eltern – dort Jahrzehnte später eine neue Heimat fanden. Im Roman heißt Hermeskeil anders, nämlich Heimesbach, aber auch hier spricht man Hunsrücker Platt, und wie Hermeskeil war auch das fiktive Heimesbach in der Nazizeit ein Gaumusterdorf, ein Vorzeigeort des Regimes, wo man sich sehr früh und sehr emsig dem Rassenwahn verschrieben hatte.