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06.10.2026
12:59 Uhr
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Der Elementarteilchenphysiker Francis Halzen wird für Beiträge zum Neutrino-Observatorium geehrt. Dem US-Amerikaner gelang es, sogenannte Geisterteilchen nachzuweisen.

Der belgisch-US-amerikanische Astrophysiker Francis Halzen wird in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt. Halzen habe erkannt, dass sich das Eis am Südpol zur Verfolgung von Teilchen nutzen lasse, die als Neutrinos bekannt sind. Seine Vision und seine wissenschaftliche Führungsrolle hätten das Neutrino-Observatorium IceCube am Südpol ermöglicht, hieß es. Damit gelang die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos aus dem All. Mithilfe von IceCube – einem Kubikkilometer Eis, der mit Lichtsensoren ausgestattet ist – können Forscher Neutrinos aus extrem energiereichen Prozessen im fernen Universum nachweisen. Neutrinos – auch Geisterteilchen genannt – zählen zu den geheimnisvollsten Elementarteilchen. Sie besitzen keine elektrische Ladung und fast keine Masse und reagieren nur sehr schwach mit normaler Materie. Daher ist der Nachweis äußerst schwierig. Ein Neutrino sei ein geisterhafter Bote aus dem Weltraum, sagte der Vorsitzende des Physik-Nobelkomitees, Mark Pearce. Im Mittel treffen in jeder Sekunde zehn Milliarden Neutrinos auf jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche. Zumindest einige davon sollen große Detektoranlagen wie IceCube im antarktischen Eis nachweisen können. Reagiert ein Neutrino – was selten vorkommt – mit einem Wassermolekül, so entstehen elektrisch geladene Teilchen, die mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch das Eis rasen und dabei Licht aussenden, die sogenannte Tscherenkow-Strahlung. Nach diesem Licht suchen die Forscher mit IceCube. Mehr als 5.000 Lichtverstärker haben die Physiker des Projekts dort versenkt. So können sie Tscherenkow-Licht nicht nur einfangen, sondern auch die Richtung bestimmen, aus der es kommt – und damit auch die Herkunftsrichtung der Neutrinos. Geisterteilchen sind in und um uns Neutrinos seien überall, aber sie machten sich nicht bemerkbar, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften mit. Sie würden die Erde und unsere Körper durchdringen, ohne dass der Mensch dies realisiere. In sehr seltenen Fällen trete ein einzelnes Neutrino mit einem Atomkern in Wechselwirkung. Wer über die richtige Ausrüstung verfüge, sei in der Lage, sie zu entdecken. Halzen präsentierte 1988 erstmals seine Vision, Neutrinos am Südpol einzufangen. Wenn ein Neutrino mit einem Atomkern kollidiert, erzeugt es einen Lichtblitz, den Sensoren im klaren Gletschereis erfassen können. Das Eis am Südpol biete viele gute Bedingungen, da es frei von mancherlei Störungen und das Gebiet als geologisch stabil gilt. Zudem treten dort keine Erdbeben auf. Halzen und seine Idee fanden bald den Rückhalt anderer Forscher. Schon wenige Jahre später wurden erste Tests mit Sensoren im Eis vorgenommen. Da kosmische Neutrinos mit extrem hohen Energien sehr selten sind, ist ein enormes Eisvolumen erforderlich, um eine ausreichende Anzahl von Kollisionen beobachten zu können. IceCube erstreckt sich über einen ganzen Kubikkilometer und wurde 2011 fertiggestellt. Die Forscher stießen schon bald auf die ersten hochenergetischen Geisterteilchen und konnten einige Jahre später mit der Entdeckung von Neutrinos an die Öffentlichkeit gehen, die weit außerhalb unseres Sonnensystems entstanden sein müssen. Die Suche nach den Neutrinoquellen des Universums konnte nun ernsthaft beginnen. Nobelpreisträger spricht von »seltsamem« Gefühl »Francis Halzen hat ein internationales Team von Forschern und Ingenieuren geleitet, das uns ein fantastisches Instrument beschert hat. Seine Beharrlichkeit und seine wissenschaftliche Weitsicht haben den Weg für eine neue Art der Astronomie geebnet«, sagte Pearce. Halzen hielt sich in Italien auf, als seine Auszeichnung verkündet wurde. Es sei eine große Freude, von dem Preis zu erfahren, sagte er, als er vom Nobelkomitee zur Preisbekanntgabe zugeschaltet wurde. Es fühle sich »seltsam« an, den Nobelpreis zugesprochen zu bekommen. Über seine Pläne sagte Halzen, er arbeite aktuell an einem wissenschaftlichen Antrag. Er hoffe, dass der Preis die Chancen darauf erhöhe, dass dieser angenommen werde. Halzen wurde 1944 im belgischen Tienen geboren. 1969 promovierte er an der Katholischen Universität Leuven. Im vergangenen Jahr ging der Physiknobelpreis an den Briten John Clarke, den Franzosen Michel Devoret und den US-Amerikaner John Martinis. Sie erhielten die Auszeichnung »für die Entdeckung des makroskopischen quantenmechanischen Tunneleffekts und der Energiequantisierung in einem elektrischen Stromkreis«. Preisgeld zum 125-jährigen Bestehen angehoben Der Nobelpreis für Physik ist in diesem Jahr mit insgesamt zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund einer Million Euro. Die Nobelstiftung hatte das Preisgeld kürzlich auf zwölf Millionen Kronen angehoben. Hintergrund ist das 125-jährige Bestehen des Nobelpreises. Bereits am Montag wurden die Preisträger des Medizinnobelpreises bekannt gegeben: Es sind die beiden deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel sowie der US-Amerikaner Karl Deisseroth . Sie entwickelten die Optogenetik, eine Methode, mit der sich zeigen lässt, wie Nervenzellen im lebenden Gehirn Erinnerungen, Gefühle und Verhaltensweisen formen, teilte das Nobelkomitee mit. Die Nobelpreise gehen auf den Dynamit-Erfinder und Preisstifter Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Er legte in seinem Testament fest, dass diejenigen mit den Preisen ausgezeichnet werden sollten, die der Menschheit im vergangenen Jahr in den einzelnen Preiskategorien den größten Nutzen erwiesen haben. Die Physik war die erste Kategorie, die Nobel in seinem Testament erwähnte. Der erste Physik-Nobelpreisträger war 1901 der Deutsche Wilhelm Conrad Röntgen. Er wurde für seine Entdeckung der nach ihm benannten Röntgenstrahlen ausgezeichnet. An diesem Mittwoch wird bekanntgegeben, wer den diesjährigen Chemie-Nobelpreis erhält. Am Donnerstag und Freitag folgen die Bekanntgaben für den Literatur- und den Friedens-Nobelpreis. Der Reigen endet am kommenden Montag mit dem von der schwedischen Reichsbank gestifteten Wirtschafts-Nobelpreis. Die Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Nobel.