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20.03.2026
14:12 Uhr
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Abgeordnete von CDU, SPD, Grünen und Linken wollen die Anwendung von Bluttests für Schwangere überprüfen. Sie befürchten, dass die Tests unnötigerweise empfohlen werden.

Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten will Bluttests auf genetische Abweichungen bei Ungeborenen wissenschaftlich untersuchen lassen. In einem fraktionsübergreifenden Antrag fordern Abgeordnete, dass die Umsetzungspraxis der Bluttests genauer beobachtet werden soll. Die derzeitige Verordnung regele nicht klar genug, wann dieser Bluttest zur Anwendung kommen solle, heißt es in dem Antrag. Es sei zu befürchten, dass Schwangeren der Test unabhängig vom medizinischen Nutzen empfohlen werde, auch als Absicherung für Ärzte. Damit könnte der Test faktisch einer Reihenuntersuchung vorrangig auf Trisomie 21 , kurz Down-Syndrom, gleichkommen, heißt es. Frauenärzte weisen den Vorwurf mangelhafter Beratung zurück, begrüßen zugleich ein Überprüfen. Seit 2012 können Schwangere in Deutschland mithilfe des nicht-invasiven Pränataltests durch eine Blutuntersuchung untersuchen lassen, ob bei ihrem ungeborenen Kind die Chromosomenstörungen Trisomie 13, 18 und 21 vorliegen. Ein Jahrzehnt lang war der Test eine Selbstzahlerleistung. Seit dem 1. Juli 2022 zählt er unter bestimmten Voraussetzungen zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Antrag verweist auf Zahlen der Barmer, wonach er inzwischen bei fast jeder zweiten Schwangeren zur Anwendung kommt. Er wird aktuell von 109 Abgeordneten von CDU, SPD, Grünen und Linken unterstützt. "Eine individuelle Entscheidung, die wir nicht zu bewerten haben" Der Test sollte nur in begründeten Einzelfällen zum Einsatz kommen, sagte die Grünen-Abgeordnete Simone Fischer bei einer Debatte über den Antrag im Bundestag. Der CDU-Abgeordnete Stephan Pilsinger sagte, dass die Tests viele falsche Ergebnisse liefern würden. Die Zahl der falsch positiven Ergebnisse liege viermal höher als erwartet. Statt weniger gebe es nun mehr Fruchtwasseruntersuchungen. Das sei so nicht gedacht gewesen. Für eine sichere Diagnose bleibt die Fruchtwasseruntersuchung notwendig, der Test gibt nur Wahrscheinlichkeiten an. SPD-Fraktionsvizin Dagmar Schmidt sagte, es dürfe nicht sein, dass systematisch nach Menschen mit einer Trisomie gescreent und dann empfohlen und beraten werde, das Kind nicht zu bekommen. Die SPD-Abgeordnete Carmen Wegge kritisierte hingegen, der Antrag fordere, zu untersuchen, ob die Tests Auswirkungen auf die Entscheidungen von Eltern für oder gegen ein Kind hätten. Dies sei aber "eine individuelle Entscheidung, die wir nicht zu bewerten haben", sagte sie. Über den Antrag wird jetzt in den Ausschüssen beraten. Die Abgeordnetengruppe hatte schon 2024 in der vergangenen Wahlperiode eine solche Initiative eingebracht. Dann kam es aber zur vorzeitigen Auflösung des Parlaments nach dem Bruch der Ampel-Koalition. Konkret sieht der Antrag vor, die Bundesregierung zu einem Monitoring aufzufordern, um zu belastbaren Daten zu kommen. Außerdem solle ein Expertengremium eingesetzt werden, das rechtliche, ethische und gesundheitspolitische Grundlagen der Kassenzulassung prüft.