Zeit 02.10.2026
06:52 Uhr

EU-Klimadienst Copernicus: Sommer in Westeuropa war so heiß wie nie zuvor


Hitze, Dürre, niedrige Wasserstände: Europa hat einen Rekordsommer erlebt. Besonders drastisch sind die Daten für den Westen des Kontinents.

EU-Klimadienst Copernicus: Sommer in Westeuropa war so heiß wie nie zuvor
Westeuropa hat den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt. Das teilte der EU-Klimadienst Copernicus mit. Demnach lag die sommerliche Durchschnittstemperatur in Westeuropa bei 21,7 Grad Celsius und somit 2,5 Grad über dem langjährigen Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Damit sei der bisherige Höchststand aus dem Sommer 2003 übertroffen worden. Der meteorologische Sommer umfasst die Monate Juni, Juli und August. Allerdings hob Copernicus hervor, die außergewöhnliche Wärme habe weit über die Kernmonate des Sommers hinaus angehalten. Auch im Mai und September seien an manchen Tagen Rekordtemperaturen gemessen worden. Für den Gesamtkontinent war der diesjährige Sommer laut Copernicus der drittwärmste jemals verzeichnete. In ganz Europa seien die Sommermonate von Klimaextremen wie Hitze, extremer Trockenheit und niedrigen Wasserständen geprägt gewesen. Extreme körperliche Belastungen durch Hitzestress Mehr als die Hälfte des Kontinents habe in diesem Jahr sehr starken Hitzestress erlebt, also eine gefühlte Temperatur von 38 Grad Celsius oder mehr. Für Westeuropa sei im Durchschnitt die Rekordzahl von 13 Tagen mit sehr starkem Hitzestress festgestellt worden. Für den menschlichen Körper bedeutet das eine extreme Belastung und ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, weil er sich nicht selbst durch Schwitzen ausreichend abkühlen kann. An durchschnittlich 41 Tagen sei starker Hitzestress aufgetreten, was gefühlten Temperaturen von 32 bis 38 Grad entspricht – ebenfalls ein neuer Höchstwert. Bemerkenswert war den Daten zufolge die Dauer und die geografische Ausdehnung der Hitze. So gab es 17 Tage, an denen zeitgleich in mindestens 60 Prozent Westeuropas Temperaturen von über 30 Grad herrschten. Im vergangenen Jahr waren es sieben Tage gewesen, im Rekordsommer 2003 elf Tage. Rekorde bei Waldbränden, Niedrigwasser und Meerestemperaturen Die Hitze und anhaltende Trockenheit begünstigten eine außergewöhnlich intensive Waldbrandsaison: Bis zum 2. September sei die in der EU verbrannte Fläche fast doppelt so groß wie im Schnitt der Jahre 2006 bis 2025 gewesen. Nach Angaben des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (EFFIS) war die verbrannte Fläche in der EU bis zum 2. September fast doppelt so groß wie im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2025 für diese Jahreszeit. Millionen von Menschen seien dadurch gefährlicher Luftverschmutzung ausgesetzt gewesen. Besonders stark betroffen waren Spanien und Frankreich. In diesem Jahr wurden in Europa laut Copernicus zudem die stärksten Niedrigwasserstände seit Beginn der Erfassung im Jahr 1992 festgestellt. Im Juli und August wurden demnach an vielen großen Flüssen wie Rhein, Donau, Po, Loire, Rhône und Seine rekordniedrige oder nahezu rekordniedrige Abflüsse registriert. Folge sei ein erhöhter Druck auf Bewässerung, Kühlung von Kernreaktoren, Wasserkraft, Süßwasserverfügbarkeit und Energieversorgung gewesen. Das verdeutliche den engen Zusammenhang zwischen Klimawandel und geopolitischen Herausforderungen wie der Energiesicherheit, teilte Copernicus mit. Zugleich waren die Meere rund um Europa ungewöhnlich warm . Entlang eines Großteils der Atlantikküste sowie im westlichen und zentralen Mittelmeer gab es laut dem EU-Klimadienst Rekordwerte oder Beinahe-Rekordwerte bei den Meeresoberflächentemperaturen . Dies sei mit starken bis außergewöhnlichen marinen Hitzewellen einhergegangen. Diese verhinderten die nächtliche Abkühlung und erhöhten die Luftfeuchtigkeit, was die Hitze in angrenzenden Küstengebieten verstärke. Europa erwärmt sich schneller als andere Kontinente Da Hitze, Trockenheit, Niedrigwasserstände und hohe Meerestemperaturen zeitgleich in weiten Teilen des Kontinents auftraten, sprach Samantha Burgess, Strategieleiterin für Klima beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW), von einem »Sommer mit sich überschneidenden Klimaextremen«. Ereignisse wie diese unterstrichen, wie wichtig es sei, eine »Widerstandsfähigkeit gegenüber zunehmend miteinander verknüpften Klimarisiken« aufzubauen. Europa ist nach Angaben von Wissenschaftlern der Kontinent, der sich infolge des globalen Klimawandels am schnellsten erwärmt. Durch die teils lange anhaltenden extremen Hitzewellen in diesem Sommer wurden zehntausende zusätzliche Hitzetote gezählt . Der EU-Klimadienst Copernicus Climate Change Service (C3S) wird vom EZMW bereitgestellt.