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06.10.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Dienstag – Mit Wolf Biermann, Demokritik, Drohnenerkennungssystemen am Flughafen und einem Mahnmal in Bremen

Liebe Leserin, lieber Leser, zweimal habe ich in den letzten Tagen die Baustelle nach dem Rohrbruch in der Amsinckstraße besichtigt. Beide Male hatte die Verkehrsbehörde dazu eingeladen, beide Male stellte sich Verkehrssenator Anjes Tjarks von den Grünen persönlich vor die Kameras, um die Folgen für den Autoverkehr zwischen Elbbrücken und Innenstadt zu erklären. Beide Male war auch Martin Gebhardt zugegen, der Geschäftsführer von Hamburg Wasser, mit Warnweste und Helm, um die Reparaturarbeiten am Leitungsnetz zu erläutern. Dank dieser Termine weiß ich, wie ein Loch in einer geplatzten Trinkwasserleitung aus einem spröden Material namens Grauguss aussieht. Ich konnte mich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass es Bauarbeitern im Mehrschichtbetrieb übers Wochenende gelungen ist, den Krater, der am Mittwoch in der Straße klaffte, in eine ordentliche Großbaustelle zu integrieren. Und ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie Senator Tjarks erklärte, es liege nun »das Augenmerk des gesamten Senats« auf der Bewältigung dieser Krise. Man könnte sich nun fragen, was wohl Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal oder Kultursenator Carsten Brosda zur Koordination von Bauarbeiten und Fragen der Verkehrssteuerung beizutragen haben. Aber das wäre naiv. Wenn Zehntausende von Autofahrenden täglich eine Stunde oder länger im Stau verbringen müssen, entsteht eine Quelle von Wut, die mindestens so dringend eingedämmt werden muss wie der Strom des Trinkwassers aus der defekten Leitung. Die aktuelle Verschwörungstheorie zum Loch in der Amsinckstraße besagt, dass Hamburg Wasser zu wenig Geld in die Instandhaltung seiner Leitungen investiere, weil das Schwesterunternehmen Hamburg Abwasser zu viel Geld für seine im Bau befindliche Klärschlammverbrennungsanlage ausgebe. Solchen Theorien kann man offenbar nicht mit Argumenten, sondern nur mit Symbolpolitik und starken Bekenntnissen entgegentreten. Übrigens werden die Bauarbeiten, obwohl sie bis Mitte Dezember andauern sollen, den Autoverkehr kaum zusätzlich belasten. Im kommenden Jahr sollten die Leitungen unter der Amsinckstraße nämlich ohnehin ausgetauscht werden. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Frank Drieschner Was heute wichtig ist Am Flughafen sind neue Systeme zur Erkennung von Drohnen in Betrieb gegangen. Damit sollen Flugobjekte und mögliche Gefährdungslagen künftig frühzeitig identifiziert werden, teilte das Bundesverkehrsministerium mit. Hamburgs Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez hat den Aufruf zu einer propalästinensischen Demonstration zum morgigen Jahrestag des Terrorangriffs auf Israel kritisiert. Dieser benenne die Terrorakte des 7. Oktober 2023 an keiner Stelle und stelle damit eine Relativierung des Angriffs dar. Der Verfassungsschutz hat vor einer Teilnahme an der Demonstration gewarnt. Fünf Monate nach der Festnahme eines mutmaßlichen islamistischen Terroristen hat gestern am Landgericht ein Prozess gegen den 18-Jährigen begonnen . Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft soll der vermutlich von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) inspirierte Syrer Angriffe mit unter anderem Sprengstoff und Molotowcocktails in Hamburg geplant haben. Mehrere Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn von und nach Rostock halten bis Mitte Dezember nicht am Hamburger Hauptbahnhof , sondern an den Bahnhöfen in Harburg oder Bergedorf. Aus Hamburg Die Rückkehr der Barbarei halten Sie zu jedem Zeitpunkt für denkbar? »Immer, natürlich« Morgen veröffentlicht Wolf Biermann den ersten Band seiner Tagebücher und einen neuen Gedichtband. Der Lyriker und Liedermacher war Kommunist und wurde aus der DDR ausgebürgert, wuchs ohne Vater auf und hat selbst zehn Kinder. ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat Biermann anlässlich seines 90. Geburtstags interviewt. Lesen Sie hier einen Ausschnitt. ZEITmagazin: Herr Biermann, ich habe eine kleine Bitte: Sie sind ein fabelhafter Erzähler, das wissen Sie. Aber manche Antwort von Ihnen sprengt jedes Interviewformat, weil sie allein schon eine Seite füllen kann ... Wolf Biermann: ... ich weiß! Tun Sie mir die Liebe und sich den Gefallen und unterbrechen Sie mich ungeniert. Und das sage ich nicht aus Höflichkeit, das meine ich wirklich. ZEITmagazin: Abgemacht! Wir führen dieses Interview einen Tag nach der Wahl in Sachsen-Anhalt, mit einem Ergebnis, das ich mir noch vor nicht allzu langer Zeit nie hätte vorstellen können. Wie geht es Ihnen damit? Biermann: Ich bin wahrscheinlich nicht so hysterisch, nicht so entsetzt wie Sie. ZEITmagazin: Ich bin nicht hysterisch. Aber als Bürger schon etwas ratlos und bedrückt. Biermann: Das ist ja wohl erlaubt. Wer in dieser Situation nicht ratlos ist und sich nicht bedrückt fühlt, ist ein Träumer. ZEITmagazin: Was ist Ihre Erklärung für den Siegeszug der AfD? Biermann: Wir leben in einer unglaublich reich ausgerüsteten Demokratie, in einem Wohlstand, den die Deutschen noch nie erlebt, mit Freiheiten, die wir noch nie genossen haben. Das heißt, uns geht es grauenhaft gut! Gefährlich gut! Wir haben zu viel Glück gehabt in der Weltgeschichte. ZEITmagazin: Sie meinen: Wenn’s dem Esel zu gut geht …? Biermann: … werden die Götter neidisch und hauen ihm ins Genick! ZEITmagazin: Aber es sind ja in diesem Fall nicht die Götter, sondern die Wähler. Biermann: Die AfD-Wähler sind ja nur der Ausdruck dieser Situation, dass die Deutschen einen geradezu irrsinnigen Vorsprung an Reichtum und Wohlstand und Frieden haben. Das ist der Grund, warum fast alle Flüchtlinge der Welt nach Deutschland wollen. Das sind ja keine Dummköpfe. Die können auch bis drei zählen. Über Biermanns Kindheit in Hamburg sowie über die Beziehung zu seiner Mutter und zu seinen Kindern lesen Sie mehr in der ungekürzten Fassung . → Zum Interview (Z+) Schon gelesen? Lange tat sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer schwer, einen Ort für das Gedenken an den Kolonialismus zu finden. Nun könnte es Bremen werden. Keine schlechte Wahl, findet ZEIT-Redakteur Raoul Löbbert.→ Zum Artikel Darauf können Sie sich freuen Jede Zeit bringt ihre Vampirgeschichten hervor. Am SchauSpielHaus inszeniert nun der bildende Künstler, Szenograf und Regisseur Philippe Quesne das skurril-fantastische Bildertheater »Vampire’s Mountain« , um den Ängsten unserer Gegenwart zu trotzen. Wir verlosen fünfmal zwei Karten für Dienstag, 13. Oktober, ab 19.30 Uhr (Einführung ab 19.00 Uhr). Schicken Sie uns bis morgen, 12 Uhr mittags, eine Mail mit dem Betreff »Berg der Vampire« an hamburg@zeit.de . Die Gewinnerinnen und Gewinner werden von uns benachrichtigt. Viel Glück! Meine Stadt Hamburger Schnack Zwei Kollegen der Nachbarabteilung kommen in unser Büro und bitten um technische Unterstützung. Der eine sagt: »Wir haben zwar ein paar neue, junge Leute eingestellt, allerdings die falschen. Die sind alle ganz lieb und nett, haben aber von Technik keine Ahnung.« Darauf erwidert mein Kollege: »Das ist bei uns genau umgekehrt.« Fragende Blicke. »Technisch sind hier alle Granaten, nur lieb und nett ist niemand.« Gehört von Markus Schulz Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .