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12.08.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Mittwoch – Mit Hintergründen zur Walrettung, dem Abriss des einsturzgefährdeten Hauses in Altona und einer Anweisung für die heutige Sonnenfinsternis

Liebe Leserin, lieber Leser, ich bin noch nie mit dem Rennrad gegen ein geparktes Auto geprallt, aber ich möchte nicht ausschließen, dass es mir passieren könnte. Zweifellos gibt es Verkehrsteilnehmende, die sich niemals, auch nicht für ein paar entscheidende Sekunden, ablenken lassen – aber ich gehöre nicht dazu. Natürlich wäre es unaufmerksam von mir, wenn nicht fahrlässig, sollte ich auf diese Weise verunglücken. Und natürlich könnte ich niemand anderen dafür verantwortlich machen als mich selbst. Diese Selbstverständlichkeiten müssen hier zur Sicherheit erwähnt werden, weil die Debatte über verunglückte Rennradfahrerinnen und Rennradfahrer so vergiftet ist. Auf den beliebten Trainingsstrecken an den Elbdeichen kommt es immer wieder zu Unfällen der beschriebenen Art, oft verletzen sich die Opfer schwer. Unter Anwohnern wiederum sind Radsportler nicht sonderlich gut angesehen, wie mein Kollege Tom Kroll in Erfahrung gebracht hat . Nun hat der ADFC eine kleine Wutwelle mit dem Vorschlag ausgelöst, die Wahrscheinlichkeit solcher Auffahrunfälle zu verringern, indem man auf besonders unfallbelasteten Streckenabschnitten ein Halteverbot für Autos anordnet. Vermutlich gibt es gute Gründe, diesem Vorschlag zu widersprechen. Es haben ja nicht nur Radsporttreibende ein berechtigtes Interesse daran, die fraglichen Strecken zu nutzen. Und Autofahrende wollen eben auch mal anhalten und müssen ihre Fahrzeuge irgendwo abstellen. Erstaunlich finde ich nur das Argument, dass dem ADFC entgegengehalten wird: dass nämlich die verunglückten Rennradfahrenden an ihren Unfällen selbst schuld seien und daher die angemessene Art der Risikovorsorge darin bestehe, sie zu mehr Aufmerksamkeit anzuhalten. Gewöhnlich stellen Gesellschaften sich darauf ein, dass Menschen Fehler machen, und treffen Vorkehrungen, um die Folgen in Grenzen zu halten. Wer sich dagegen wenden würde, an Serpentinen Leitplanken aufzustellen – mit der Begründung, Autofahrende sollten gefälligst auf der Fahrbahn bleiben und wer in den Abgrund stürze, sei selbst schuld –, dem würden die meisten Ignoranz und Bosheit vorwerfen. Im Streit um Rennradunfälle gelten offenbar andere Maßstäbe. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Frank Drieschner WAS HEUTE WICHTIG IST An einem einsturzgefährdeten Wohnhaus in Altona haben gestern die Abrissarbeiten begonnen . Bei dem fünfstöckigen Altbau in der Holstenstraße waren vor gut zwei Wochen große Risse entdeckt worden, woraufhin die Mieterinnen und Mieter das Haus umgehend verlassen mussten. Sie verlieren nicht nur ihr Zuhause, sondern voraussichtlich auch all ihre Habseligkeiten. Nach anderen Bundesländern setzt auch Hamburg das Sonn- und Feiertagsverbot für Lastwagen bis Ende August aus . Da die Binnenschifffahrt aufgrund niedriger Pegelstände in den Flüssen stark beeinträchtigt ist, sollen Transporte teilweise auf die Straße verlagert werden. In Hamburg hat es im Groß- und Außenhandel einen Tarifabschluss gegeben. Die rund 60.000 Beschäftigten sollen in zwei Stufen ein insgesamt fünf Prozent höheres Entgelt erhalten. Der Vertrag laufe zwei Jahre, teilten Verdi und der AGA Unternehmensverband mit. Hamburg erhält 400 neue Bushaltestellenhäuschen . Anders als die bereits bestehenden 2.250 Fahrgastunterstände sollen die neuen barrierefrei sein und mit Sitzgelegenheiten ausgestattet werden, die über Rücken- und Armlehne verfügen. In dieser Saison sind 129 junge Störche entlang der Elbe geschlüpft – so viele wie seit 100 Jahren nicht mehr. Hamburg ist laut Nabu die Großstadt mit den meisten Weißstörchen; sie leben vor allem in den Vier- und Marschlanden im Bezirk Bergedorf. Nachricht des Tages Raser und Drängler halten den Straßenverkehr auf – dieser Befund ist ein wissenschaftlicher Nebeneffekt der sogenannten Speedweek, einer europaweit koordinierten Aktionswoche mit verstärkten Geschwindigkeitskontrollen. Sie fand in der vergangenen Woche in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Das Verkehrsdatenunternehmen TomTom hat auf den Hamburger Straßen und Autobahnen in dieser Woche den Verkehrsfluss beobachtet und mit den Daten aus der ersten Juliwoche verglichen. Signifikante Veränderungen zeigten sich dabei innerhalb der Gruppe der schnellsten Autofahrenden: Sie nahmen sich angesichts der verstärkten Kontrollen offenbar zusammen und waren deutlich langsamer unterwegs als sonst. Dieser Effekt zeigte sich vor allem in den Stunden der Nacht und am frühen Morgen, als die Straßen relativ frei und hohe Geschwindigkeiten möglich waren. Bemerkenswert ist, wie die vorübergehende Neigung zur Rücksichtnahme sich auf den gesamten Verkehrsfluss auswirkte. Morgens und nachts sanken den Daten von TomTom zufolge während der Speedweek auch die Durchschnittsgeschwindigkeiten, wohl einfach als Folge der deutlich verminderten Geschwindigkeiten der schnellsten Verkehrsteilnehmer. Tagsüber aber, während das Straßennetz voll und ein schnelles Fortkommen kaum noch möglich war, nahmen die durchschnittlichen Geschwindigkeiten während der Speedweek in Hamburg minimal zu. Offenbar bewirkte die Neigung besonders eiliger Autofahrender, sich stärker als sonst dem Verkehrsfluss anzupassen, dass alle gemeinsam etwas besser vorankamen als in der Vergleichswoche im Juli. Von Frank Drieschner AUS HAMBURG »Das geht nicht« Mitarbeiter warnten Till Backhaus vor der Rettung des Buckelwals Timmy, ein Abteilungsleiter meldete sich am Ende gar krank. Hat der Minister sein Haus ignoriert? Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von Christoph Heinemann, Hannah Knuth und Tom Kroll: Am 2. Mai, nahe 57°44′ N und 10°38′ O, endet auf dem rauen Meer vor Skagen ein Rettungsversuch, wie es ihn in Deutschland noch nicht gegeben hat: Ein Buckelwal , den die einen Timmy, die anderen Hope nannten, wird aus einer Barge ins offene Meer gelassen. Eine wild zusammengewürfelte Privatinitiative, finanziert von zwei Millionären, hatte das Tier von der Ostseeinsel Poel dorthin schleppen lassen, mehr als 115 Seemeilen weit. Der Wal ist schwer krank. In seinem Maul stecken Reste eines Netzes, seine Haut ist giftgrün befleckt, wie ein Stein voller Moos. Viele nationale und internationale Experten warnten vor der Aktion: Es sei nicht mehr angebracht, das Tier zu stören, es bedeute nur Quälerei. Aber auf Poel und im Internet forderte eine Bewegung laut, es doch zu versuchen – egal, was die Fachleute sagen. Schließlich ließ der zuständige Umweltminister Till Backhaus die Initiative gewähren. Seine SPD will mit Manuela Schwesig im September in Mecklenburg-Vorpommern wiedergewählt werden, aber das allein sorgte wohl nicht für die Kehrtwende. Der Minister machte deutlich, wie sehr er selbst am Schicksal des Wals hänge. Er wollte das Tier retten. Dass Backhaus bei dieser Entscheidung gegen den Rat mehrerer Fachleute aus dem eigenen Ministerium vorging, belegen nun vertrauliche Unterlagen aus seinem Haus. Der ZEIT liegen interne Vermerke, Stellungnahmen und E-Mail-Wechsel vor. Sie zeigen, dass ein führender Abteilungsleiter seinen Minister ausdrücklich vor der Freigabe der Rettungsaktion warnt. Das Manöver, so heißt es in einer der Stellungnahmen, sei unzureichend geprüft, rechtlich ungedeckt und im schlimmsten Fall sogar strafbar. Erstmals wird deutlich, welchen Widerstand es im Umweltministerium gegen die Rettungspläne gegeben hat – und wie stark sich der Minister in seiner Entscheidung auf die Einschätzungen der Privatinitiative verließ. Welche weiteren Irritationen es im Ministerium gab , lesen Sie in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Hier können Sie die Sonnenfinsternis sehen Am Mittwoch steht Europa eine Sonnenfinsternis bevor, die spektakulärste seit 20 Jahren. Was Sie dazu wissen sollten – und wo man das Ganze am besten beobachten kann, erklären Gregor Aisch, Robert Gast und Stefan Schmitt. → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN In der 1980 gegründeten Ateliergemeinschaft Die Schlumper arbeiten Künstlerinnen und Künstler mit unterschiedlichen Behinderungen selbstbestimmt und frei an ihren eigenen künstlerischen Positionen. In der Galerie ist derzeit die Ausstellung »Von jedem Etwas« zu sehen. »Von jedem Etwas« bis 2.11.; Galerie der Schlumper, Marktstraße 131; Mi–Fr 16–19 Uhr, Sa 11–17 Uhr, So 14–17 Uhr MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Ein Mietacker vor den Toren von Hamburg. Ein junges Paar jätet und erntet auf seiner Parzelle. Sie: »Zucchini müssen wir noch mitnehmen.« Er: »Zucchini?!? Och nö! Wir essen seit Wochen nichts anderes. Ich kann nicht mehr!« Gehört von Kristi Berghäuser Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .