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19.03.2026
15:47 Uhr
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Der Leitzins für den Europaraum bleibt weiterhin bei 2,0 Prozent – auch nach Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten. Es ist das sechste Mal in Folge.

Auch nach dem Ausbruch des Irankriegs und dem Ölpreisschock hält die Europäische Zentralbank (EZB) weiter an ihrem abwartenden Kurs fest. Die Leitzinssätze bleiben unverändert bei 2,0 Prozent, wie die Zentralbank in Frankfurt am Main mitteilte. Es ist die sechste Zinspause in Serie. Ende Februar hatten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran begonnen. Seitdem sind die Energiekosten stark gestiegen, ebenso die Sorge vor einer neuen Inflationswelle . Die EZB warnte, dass sich die höheren Energiepreise kurzfristig "erheblich" auf die Inflation auswirken werden. Mittelfristige Auswirkungen würden von der Intensität und der Dauer des Konflikts abhängen. Ausschlaggebend sei dafür auch, wie sich die Energiepreise auf die Verbraucherpreise auswirken und die Wirtschaft beeinträchtigen. "Der EZB-Rat ist gut gerüstet, um diese Unsicherheit zu bewältigen", hieß es. Ökonomen rechnen mit einer nahenden Zinserhöhung Auch der Ökonom Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW in Mannheim geht davon aus, dass der Irankrieg einen breiteren Inflationsschub auslösen könnte. Bei dem letzten vergleichbaren Angebotsschock in den Jahren 2021 und 2022 habe die EZB zu lange abgewartet und sei vielfach kritisiert worden. "Der EZB-Rat wird diesen Fehler kein zweites Mal begehen wollen", sagte Heinemann. "Die Wahrscheinlichkeit von bis zu zwei Zinsschritten vor der Sommerpause ist deshalb hoch." Auch an den Finanzmärkten wird auf eine nahende Zinserhöhung spekuliert, womöglich im Sommer. Die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, hatte bereits mitgeteilt, dass man alles Nötige tun werde, um eine Teuerung im Zaum zu halten. Auch der Präsident der Bundesbank, Joachim Nagel, hatte betont, dass die EZB keine neue Inflationswelle zulassen werde. Zuletzt hatte die Zentralbank den Schlüsselsatz angesichts gesunkener Inflationsgefahr Mitte 2024 bis Mitte 2025 von vier auf zwei Prozent halbiert. Im Zuge des Irankriegs korrigierten die EZB-Fachleute ihre Prognosen vom Dezember nach oben. "Ursächlich dafür ist, dass die Energiepreise aufgrund des Krieges im Nahen Osten höher sein werden", hieß es in einer Mitteilung. Demnach rechnen die Fachleute in ihrer aktualisierten Projektion in einem Basisszenario eine Gesamtinflation von durchschnittlich 2,6 Prozent für dieses Jahr. Im kommenden Jahr sollen es 2,0 Prozent und 2028 2,1 Prozent sein.