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06.10.2026
07:23 Uhr
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In einer Schau in Mailand präsentiert Patek Philippe besondere Uhren aus Jahrhunderten. Hier kann der Besucher nachvollziehen, wie Handwerk zu Luxus wird.

Wie viel Arbeit in einer einzigen Uhr stecken kann, lässt sich derzeit in einem Mailänder Palazzo bestaunen. Nehmen wir die Dom-Pendulette »Orangen aus Sizilien«. Allein für die Umrisse der Blätter auf dem Rund der Standuhr wurden etwa 15 Meter Goldflachdraht verarbeitet, die Zellen dazwischen mit 49 verschiedenen Emaillefarben bemalt. Jede Platte geht bis zu elfmal bei mehr als 900 Grad in den Ofen, und jeder Brand birgt das Risiko, dass sie reißt oder sich verzieht und die Arbeit von Wochen verloren ist. Zu sehen ist die Pendeluhr mit der süditalienischen Motivik auf der siebten Grand Exhibition der Uhrenmanufaktur Patek Philippe. Die Ausstellung des Genfer Familienunternehmens läuft noch bis zum 18. Oktober im Mailänder Palazzo Oval City – 1.000 Uhren in 15 Räumen auf 2.900 Quadratmetern. Ein weiteres aufwendiges Exponat ist die Taschenuhr »Burano«. Rund 70 Farben bilden dort die gleichnamige venezianische Insel ab, eingelegte Gold- und Silberflitter lassen das Wasser der Lagune schimmern, und die Gravuren greifen die Muster der Nadelspitze auf, für die Burano berühmt ist. Hier wird die Uhr zur Miniatur einer ganzen Landschaft. Familienunternehmer in vierter Generation Am ersten Tag der Schau empfängt Thierry Stern persönlich. Der Präsident des Unternehmens führt Patek Philippe in vierter Generation. Gefragt, ob er sich eher als Kreativen, als Unternehmer oder als Hüter der Familientradition sehe, zögert er nicht. »Als Hüter«, sagt er. »Als einer, der nicht viel Zeit hat, aber das Beste geben muss, um es zu bewahren und wachsen zu lassen.« Seine erste Erinnerung an die Uhren der Familie reiche ins Büro seines Vaters an der Rue du Rhône in Genf zurück, erzählt er. Mit sechs Jahren öffnete er dort eine Schublade und fand drei emaillierte Taschenuhren. »Du darfst sie anschauen, aber nicht anfassen«, habe der Vater gesagt. Da habe er verstanden, »dass wir etwas Feines machen«. Seine erste eigene Patek bekam er mit 20: eine Nautilus, das wohl bekannteste Modell der Marke. Sie liegt heute im Museum. »Es ist seltsam, die eigene Uhr im Museum zu sehen«, sagt Stern. »Ich bin ja nicht tot.« Unter den Exponaten ist eine Anhängeuhr aus Nürnberg von 1548, dem Uhrmacher Caspar Werner zugeschrieben. Sie heißt Rosa dei Venti, Windrose, nach dem Kompassstern, der in die Mitte des vergoldeten Zifferblatts graviert ist. Es gibt nur einen Zeiger. Um die römischen Ziffern I bis XII läuft ein zweiter Ring mit den Stunden 13 bis 24. Ein Porträt aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zeigt einen Mann in rotem Wams, der an schweren Goldketten eine solche Uhr vor der Brust trägt. Damals war eine Uhr Schmuck, Statussymbol und Werkzeug zugleich. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert – abgesehen davon, dass kaum jemand seine Uhr um den Hals trägt, außer dem Hip-Hop-Künstler Flavor Flav. Das Können der Emailleure erhalten Die Ausstellung umfasst gut fünf Jahrhunderte Uhrmacherei. Eine Kollektion besonders seltener Stücke in Vitrinen trägt den Namen Rare Handcrafts . Darunter sind mehrere Unikate, an denen sich ablesen lässt, wie viele Disziplinen in die Arbeit der Ziffernblätter fließen können: Cloisonné-Emaille und Miniaturmalerei, Handgravur und Guillochage, Mikromarqueterie aus Holz und das Fassen von Edelsteinen. Jede dieser Techniken verlangt ihr eigenes Werkzeug und ihre eigene Geduld. Der Guillocheur arbeitet an einer historischen Drehbank, der Graveur führt den Stichel nur wenige Zehntelmillimeter tief ins Metall, der Marqueteur sägt hauchdünne Hölzer zu einem Bild zusammen. Und weil die Besucher den Kunsthandwerkern vor Ort über die Schulter schauen können, wird in Mailand nicht nur das Ergebnis ausgestellt, sondern auch der Weg dorthin. Bilder wie die »Orangen aus Sizilien« der eingangs genannten Dom-Pendulette entstehen in der Marketerie. Anders als bei der Intarsie, bei der dünne Plättchen in Vollholz eingelegt werden, setzt der Kunsthandwerker hier ausschließlich dünne Furniere zusammen. Kleine, unterschiedlich gefärbte Holzteile werden nach einer Vorlage zugeschnitten und miteinander verklebt. So entsteht ein Bild. Thierry Stern sagt, auch wenn dieser Geschäftsbereich für den Umsatz der Firma relativ unerheblich sei, sei es ihm ein Anliegen, das Wissen der Handwerker zu bewahren, so wie schon sein Vater. Der habe zeitweise fast 90 Tischuhren mit Emaillebildern auf Lager gehabt, nur damit die Emailleure Aufträge hatten. Heute fertigt Patek zwölf bis vierzehn solcher Uhren im Jahr. Nachwuchs fehle nicht, sagt Stern. In der Marketerie arbeiten derzeit zwei Lehrlinge bei einem Meister, ihre ersten Stücke hat er gerade abgenommen. Anders als sein Vater, der vor allem berühmte Gemälde in Emaille kopieren ließ, setzt Stern auf modernere Motive: Autos auf Emaille, eine Formel-1-Uhr, deren Lünette, der Ring um das Uhrglas, mit rechteckig geschliffenen Rubinen und Diamanten besetzt ist. Hämmer die auf Tonfedern klopfen In den folgenden Räumen geht es um Mechanik, genauer: um sogenannte Komplikationen. So nennen Uhrmacher alle Funktionen, die über die Anzeige von Stunden, Minuten und Sekunden hinausgehen. Gezeigt werden Minutenrepetitionen, die auf Knopfdruck die Uhrzeit mit kleinen Hämmern auf Tonfedern schlagen und als besonders schwer zu bauen gelten. Daneben ewige Kalender, die Monatslängen und Schaltjahre berücksichtigen und erst im Jahr 2100 korrigiert werden müssen, Jahreskalender, die einmal im Jahr, Ende Februar, nachgestellt werden, sowie Wochenkalender. Einige der neuen Modelle setzen dagegen voll auf Design. Das quadratische Gehäuse mit sanft gerundeten Kanten zitiert das Art déco. Im Inneren läuft kein mechanisches Werk, sondern ein flaches Quarzwerk, bei einer Marke, die vor allem für ihre Mechanik bekannt ist, eher die Ausnahme. Es gibt sie auch als Schmuckversion mit opalisierendem Zifferblatt und geprägtem Wellenmuster. Gehäuse, Zifferblatt und Bandanstöße sind vollständig mit Diamanten besetzt – insgesamt 687 Stück. Die Stundenmarkierungen wiederum sind farbige Edelsteine: blauer Topas zum pfauenblauen Band, grüner Tsavorit, ein Granat, zum grünen, violetter Amethyst zum violetten Lederband.