Zeit 08.10.2026
16:19 Uhr

Jemen: Huthi-Miliz greift erneut Ziele in Saudi-Arabien an


Die Huthis haben den Flughafen in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad angegriffen. Pakistan und die Türkei unterstützen das Königreich. Syrien erwägt, Einheiten zu entsenden.

Jemen: Huthi-Miliz greift erneut Ziele in Saudi-Arabien an
Die jemenitische Huthi-Miliz hat erneut Ziele im Nachbarland Saudi-Arabien angegriffen – darunter den Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad. Ein Sprecher der mit der iranischen Führung verbündeten Huthis sagte, die Miliz habe eine ballistische Rakete auf den Flughafen King Chalid abgefeuert. Aus Flughafenkreisen hieß es, Trümmer abgefangener Raketen seien auf ein Terminalgebäude gefallen. Augenzeugen berichteten von mehreren Explosionen in Riad; Passagiere hätten am Flughafen ihr Gepäck zurücklassen und das Gebäude verlassen müssen. Laut dem Portal Flightradar24 wurde der Flughafen vorübergehend geschlossen, Hunderte Flüge seien gestrichen worden. Die Huthi-Miliz drohte mit Angriffen auf alle Ölanlagen in Saudi-Arabien. Zudem rief sie erneut Fluggesellschaften auf, Flüge nach Saudi-Arabien einzustellen. Ausgenommen seien lediglich die Gebiete der heiligen Städte Mekka und Medina. Tote und Verletzte bei Angriffen in den vergangenen Tagen Saudi-Arabien teilte mit, mehrere Geschosse abgewehrt zu haben. Zwei auf Riad abgefeuerte Raketen und eine weitere auf Chamis Muschait im Südwesten des Landes seien abgefangen worden, sagte Turki al-Maliki, Sprecher des von Saudi-Arabien angeführten Militärbündnisses. Behörden zufolge beschädigten Trümmer einer abgeschossenen Rakete ​einen Kindergarten und eine medizinische Einrichtung in Riad. Diplomaten wurden angewiesen, sich in Schutzräume zu begeben. Auch an internationalen Schulen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Mehrere internationale Konzerne riefen ihre Mitarbeiter in Saudi-Arabien auf, von zu Hause zu arbeiten. Nach Angaben der saudi-arabischen Luftfahrtbehörde waren bereits am Dienstag und Mittwoch die Flughäfen von Riad und Abha im Südwesten des Landes angegriffen worden. Dabei seien drei Menschen getötet worden, 36 Menschen wurden laut Behördenangaben verletzt. Die Huthis reklamierten beide Angriffe für sich. Saudi-Arabien macht die Huthis immer wieder für Angriffe auf zivile Ziele im Land verantwortlich. Zugleich fliegt das Königreich als wichtigster Verbündeter der international anerkannten jemenitischen Regierung seinerseits Luftangriffe auf Stellungen der Miliz im Jemen. Türkei und Pakistan unterstützen Saudi-Arabien Saudi-Arabien hatte vor ​einigen Monaten ein Verteidigungsbündnis mit der Türkei und Pakistan geschlossen. Die Regierung in Ankara hat die Vereinbarung zwar noch nicht ratifiziert, liefert einem Beamten zufolge jedoch Rüstungsgüter und stellt Geheimdienstinformationen bereit. ‌Eine Teilnahme an Kampfeinsätzen schloss Außenminister Hakan Fidan aus. Pakistan versorgt Insidern ​zufolge jemenitische Regierungstruppen in der Stadt Aden mit Nachschub. Zudem habe das Land ⁠Truppen nach Saudi-Arabien ​entsandt, um die örtlichen Einheiten beim Grenzschutz zu unterstützen. Darüber ‌hinaus erwägt Syrien offenbar die Entsendung militärischer Einheiten zur Unterstützung saudi-arabischer Truppen. Das sagten ein syrischer Beamter und ein Vertreter der USA übereinstimmend. ‌Das syrische Außenministerium teilte auf Anfrage mit, man stehe fest an der Seite Saudi-Arabiens, der Wiederaufbau des ​eigenen, vom Bürgerkrieg gezeichneten Landes habe jedoch Priorität. Jemenitische Regierungstruppen wollen Huthi-Gebiete erobern Der seit Jahren anhaltende Konflikt im Jemen war im Sommer erneut eskaliert . Zuletzt hatte die Huthi-Miliz wichtige Gebiete an der Küste des Jemens am Roten Meer und der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab erobert . Am vergangenen Sonntag begannen Truppen der jemenitischen Regierung eine großangelegte Offensive zur Rückeroberung der von den Huthis kontrollierten Regionen . Der Bürgerkrieg im Jemen hatte 2014 mit der Eroberung zahlreicher Städte und Regionen durch die Huthi-Miliz begonnen. Saudi-Arabien griff ein Jahr später an der Spitze einer Militärkoalition zugunsten der jemenitischen Regierung in den Krieg ein. Seit 2022 galt zwischen den schiitischen Huthis und dem sunnitischen Königreich Saudi-Arabien eine informelle Waffenruhe, doch im Juli und August dieses Jahres eskalierte der Konflikt erneut. Der jemenitische Bürgerkrieg führte zu einer der schlimmsten humanitären Katastrophen weltweit.