Zeit 12.03.2026
20:55 Uhr

Johann Wadephul: Wie der Krieg gegen den Iran zu Europas Risiko wird


Der deutsche Außenminister bereist die Golfstaaten. Sie hoffen auf Unterstützung. Die kann er nicht bieten. Stattdessen erlebt er, wie der Irankrieg die Ukraine schwächt

Johann Wadephul: Wie der Krieg gegen den Iran zu Europas Risiko wird
Wie sehr sich der Krieg gegen den Iran ausweitet, bekommt der deutsche Außenminister zu spüren, als er seine Pläne umschmeißen muss . Kurzfristig geht es nach Zypern, nach Israel, in die Golfstaaten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar und in die Türkei. Als Johann Wadephul aus Jerusalem abfliegen will, ertönt ein Warnsignal, weil wieder mal eine Rakete oder Drohne auf Israel zufliegt. Also alle schnell raus aus der Militärmaschine A400M und ab in den Schutzkeller. Im saudischen Riad sitzt der Außenminister schon in der Maschine auf der Startbahn, als der gesamte Luftraum über Saudi-Arabien gesperrt wird und das Flugzeug warten muss. Als Wadephul in Abu Dhabi, Hauptstadt der Emirate, landen soll, dreht die Militärmaschine ein paar Runden in der Luft. Später sehen wir, warum: Nahe dem Flughafen stieg eine Rauchsäule auf – Drohnen waren eingeschlagen, als die Maschine in den Landeanflug gehen wollte. Aus dem katarischen Doha nimmt Wadephul drei deutsche Familien im Flugzeug mit, denn noch immer ist der Luftraum in Katar teilweise gesperrt. Bilder, die zeigen, wie der deutsche Außenminister sich um Landsleute kümmert, kommen ihm recht. In manchem Land ist er kaum eine Stunde Die Golfstaaten haben den Iran nicht angegriffen. Dieser Krieg ist nicht ihr Krieg, aber der Iran macht ihn zu ihrem. Und je länger er dauert, desto unberechenbarer und gefährlicher wird das Regime im Kampf um sein Überleben. Es hat die Straße von Hormus, "die Lebensader dieser Welt", wie Wadephul sie nennt, blockiert und droht, sie zu verminen – eine Meerenge, die den Persischen Golf mit dem offenen Meer verbindet und deren Fahrrinne an manchen Stellen nicht breiter ist als drei Kilometer. Öl, Flüssiggas und Düngemittel stauen sich, was schon jetzt schwere Folgen für die Weltwirtschaft hat. In den Golfstaaten wirken die Führungen erschüttert vom iranischen Vorgehen. Sie hoffen auf internationale Unterstützung. Gerade erst haben sie gemeinsam mit Jordanien eine UN-Resolution verantwortet, die die Blockade der Straße von Hormus sowie die Angriffe des Iran auf seine Nachbarn verurteilt – Russland und China enthielten sich. Was aber kann Johann Wadephul diesen Ländern anbieten? Zusagen von 93 Millionen Euro für Hilfsorganisationen bringt Wadephul mit, für Syrien, die Palästinensischen Gebiete und für den Libanon, wo nun nahezu 700.000 Menschen auf der Flucht sind aufgrund des israelischen Kampfs gegen die Hisbollah. Aber hauptsächlich geht es ihm darum, Präsenz zu zeigen. Er betont, dass er seit Beginn des Krieges gegen den Iran der erste europäische Minister sei, der Israel und die Golfstaaten besucht. Wadephul bringt keine Ideen mit, wie die Europäer bei Friedensbemühungen helfen oder sich zumindest nach einem Ende des Krieges an Verhandlungen beteiligen könnten. In manchem Land ist er kaum eine Stunde, dann geht es schon weiter, nächstes Gespräch im Staat nebenan. "Pendeldiplomatie" nennt Johann Wadephul das. Aber das klingt etwas hochtrabend, denn eigentlich gibt es nichts, was die Deutschen den Angegriffenen geben könnten oder wollten. Selbst den Vorstößen der G7, jene Schiffe militärisch zu eskortieren, die die Straße von Hormus passieren, setzt Wadephul entgegen, es gebe nur einen diplomatischen Weg, die Meerenge passierbar zu machen. Immer wieder betonen dieser Tage der Kanzler und sein Außenminister, dass "die größte sicherheitspolitische Bedrohung auf unserem Kontinent nach wie vor von Russland ausgeht". Waffensysteme und Flugabwehr braucht die Ukraine dringend. Frühzeitig haben die Deutschen den Golfstaaten zu verstehen gegeben, sie könnten sie nicht unterstützen, auch wenn die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni eine Flugabwehr für Zypern und die Golfstaaten erwägt. Schon frohlocken die Russen, dass "die Ukraine den Wettbewerb um US-Aufmerksamkeit und Patriot-Raketen gegen die Entwicklungen im Mittleren Osten" verliere – so zitiert ein russisches Staatsmedium einen ihrer Diplomaten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj halte verzweifelt Kontakte zu den arabischen Führern.