Zeit 02.10.2026
02:25 Uhr

Mutmaßlicher Anschlagsversuch: Was über den Einsatz an einer britischen Militärbasis bekannt ist


In England wurde offenbar ein Anschlag auf den von den USA genutzten Luftwaffenstützpunkt Fairford vereitelt. Sechs Verdächtige werden verhört. Was bislang bekannt ist

Mutmaßlicher Anschlagsversuch: Was über den Einsatz an einer britischen Militärbasis bekannt ist
In der Nähe eines von den USA genutzten Luftwaffenstützpunktes in Großbritannien sind am frühen Sonntagmorgen fünf Männer unter Terrorverdacht festgenommen worden . Sie werden nach Angaben der britischen Anti-Terror-Polizei der Vorbereitung einer terroristischen Tat verdächtigt. Außerdem wird gegen die Männer wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt. Am Montag sollten sie verhört werden. Am Donnerstag wurde ein weiterer Verdächtiger festgenommen. Was ist über den betroffenen Stützpunkt bekannt? Der Vorfall ereignete sich nahe dem Stützpunkt Fairford der britischen Royal Air Force. Dieser liegt im Südwesten Englands, rund 145 Kilometer westlich von London. Erst im März hatten die US-Streitkräfte Langstreckenbomber auf die Luftwaffenbasis verlegt. Der damalige britische Premierminister Keir Starmer hatte den USA die Genehmigung für bestimmte »defensive« Einsätze erteilt. Konkret wurde es dem US-Militär gestattet, von Fairford und einem weiteren Stützpunkt aus Angriffe auf iranische Raketenstellungen zu fliegen, mit denen Schiffe in der Straße von Hormus attackiert worden waren. Das Verteidigungsministerium in London teilte im Frühjahr mit, die USA würden britische Stützpunkte für »spezifische Verteidigungsoperationen« im Irankrieg nutzen . Nach iranischen Angaben sollen von dem Stützpunkt aus gestartete Bomber jedoch auch für Angriffe eingesetzt worden sein, die über den ursprünglichen Einsatzauftrag hinausgingen. Unabhängig bestätigt sind diese Angaben bislang nicht. Die US‑Luftwaffe hatte Fairford schon während des Golfkriegs Anfang der Neunzigerjahre sowie während des Irakkriegs 2003 genutzt. Was ist über die sechs Tatverdächtigen bekannt? Am Montagnachmittag hat die Polizei erste Details zu den festgenommenen Verdächtigen bekannt gegeben . Demnach handelt es sich um fünf Männer im Alter von 23 bis 25 Jahren. Alle fünf sind britische Staatsangehörige und haben einen Wohnsitz in London. Beim sechsten Tatverdächtigen handelt es sich laut Polizei um einen 25-jährigen Mann mit britischer und iranischer Staatsbürgerschaft. Wie sind die Behörden auf die Tatverdächtigen aufmerksam geworden? Die Polizei erhielt eigenen Angaben zufolge in der Nacht auf Sonntag einen telefonischen Hinweis auf drei verdächtige Fahrzeuge in einem Ort nahe der Militärbasis Fairford. Eine Zeugin berichtete zudem von Männern mit Kapuzen und Sturmhauben. Die drei weißen Lieferwagen waren offenbar auf dem Weg in Richtung des Luftwaffenstützpunktes. Nach dem Notruf nahmen bewaffnete Polizisten die Insassen fest. 400 Meter rund um die verdächtigen Fahrzeuge errichteten sie eine Absperrung, um die Autos zu untersuchen. Auch ein Bombenentschärfungsroboter kam zum Einsatz. Anwohner aus etwa 85 Haushalten in der Nähe des Stützpunktes mussten ihre Häuser sicherheitshalber verlassen und die Nacht auf Montag in anderen Unterkünften verbringen. Eine Anwohnerin sagte der britischen Nachrichtenagentur PA, sie sei die Person, die den Notruf abgesetzt habe. In der Nacht habe sie drei Transporter gesehen, die die Straße vor ihrem Haus blockiert hätten, sowie eine Gruppe von Männern mit Kapuzen und Sturmhauben. Daraufhin habe sie das Verteidigungsministerium und die Polizei alarmiert. Welches Motiv könnte hinter den mutmaßlichen Terrorplänen stehen? Die nationale Anti-Terror-Koordinatorin der britischen Polizei, Vicki Evans, sagte am Sonntag, die Behörden befänden sich noch »in einem frühen Stadium der Ermittlungen«. Laut britischen Medien wird derzeit ermittelt, ob es Verbindungen zum Iran gibt. Auch russische Sabotage oder ein islamistisches Motiv werden demnach nicht ausgeschlossen. Weshalb wird über eine iranische Beteiligung spekuliert? Die iranische Revolutionsgarde hatte im Sommer davor gewarnt, US-Bombern Startrechte in Fairford einzuräumen – jeder Stützpunkt, ⁠der für Angriffe auf den Iran genutzt ​werde, sei ein legitimes Ziel. Auch die iranische Führung hatte entsprechende Andeutungen gemacht, zugleich jedoch wiederholt offiziell bestritten, an Anschlägen oder Anschlagsplanungen im Ausland beteiligt zu sein. In Reaktion auf die Drohung der Revolutionsgarde hatte die britische Regierung mitgeteilt, die Streitkräfte seien bereit, das Land vor jedem Angriff zu schützen. Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting wollte eine mögliche Verbindung zum Iran nicht kommentieren; es sei zu früh, sich dazu zu äußern. Allerdings sagte er hinsichtlich der allgemeinen Bedrohung für Großbritannien durch den Iran: »Wir wissen, dass der Iran und seine Proxys uns Schaden zufügen wollen. Wir wissen, dass ‌sie unsere Demokratie hassen. Und wir wissen, dass wir regelmäßig iranische Versuche vereiteln müssen, die unsere Interessen oder unsere Verbündeten bedrohen.« Die iranische Botschaft in London wies Spekulationen über eine Beteiligung des Irans zurück . Die Mutmaßungen dienten lediglich dem Zweck, »die iranfeindliche Propaganda im Vereinigten Königreich weiter anzuheizen«, schrieb die Botschaft auf X . Was sagen die Regierungen der USA und Großbritanniens? US-Präsident Donald Trump sagte am Sonntag, die Tatverdächtigen hätten der Basis »schweren Schaden zufügen« wollen. Die Festnahme sei großartig gewesen. Zudem lobte er die Zusammenarbeit von britischen und US-Behörden und behauptete, die Festgenommenen seien »schon lange im Visier« gewesen und nun »erwischt« worden. Der britische Premierminister Andy Burnham nannte den Vorfall bei Fairford »zutiefst beunruhigend« und sagte, seine Regierung werde alles tun, um die Menschen zu schützen.