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09.10.2026
09:55 Uhr
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Nach 22 Jahren und 44 F\u00e4llen hat sich der beim TV-Publikum \u00fcberaus beliebte Kommissar Borowski im M\u00e4rz 2025 vom Kieler \u00abTatort\u00bb verabschiedet - aparter Weise aus einer U-Haftzelle (\u00abBorowski und das Haupt der Medusa\u00bb, fast neun Millionen Zuschauer). Doch die Arbeit in der Mordkommission hoch im Norden Deutschlands geht weiter. Und so folgt auf den von Axel Milberg genialisch verk\u00f6rperten kauzigen Ermittler dessen langj\u00e4hrige Mitarbeiterin Mila Sahin (Almila Bagriacik, 36) als Hauptkommissarin. Zum Einstieg kommt ein kraftvoller und ziemlich spannender Zweiteiler, der signalisiert, dass manches anders geraten wird als zu Zeiten des nicht mehr ganz jungen Vorg\u00e4ngers. Zu sehen sind \u00abTatort: Unter Freunden\u00bb (Sonntag, 11. Oktober) und \u00abTatort: Unter Feinden\u00bb (18. Oktober) jeweils um 20.15 Uhr im Ersten sowie ab Freitag zuvor in der ARD-Mediathek. Souver\u00e4n und leidenschaftlich Auf Anhieb beweist Bagriacik dabei enorme Pr\u00e4senz. Ihre Sahin agiert so souver\u00e4n wie zielstrebig - und voller Leidenschaft. Die Kommissarin wird unterst\u00fctzt von einer weiteren Frau, der k\u00fchl auftretenden Polizeipsychologin Elli Krieger (Karoline Schuch, \u00abOderbruch\u00bb). Und auch sonst wirken die beiden Filme nach dem Skript (und einer Idee von Katharina Adler und Rudi Gaul) sowie unter Regie des zweifachen Grimme-Preistr\u00e4gers Lars Kraume (53), der bereits viele \u00abTatorte\u00bb verantwortet hat (\u00abBorowski und das Haupt der Medusa\u00bb), betont zeitgerecht angelegt. Dabei erscheint etwa die Gro\u00dfstadt Kiel wie eine eiskalte Metropole, in der Gewaltverbrechen und Korruption in alle Richtungen wuchern. \u00abWir versuchen, etwas Neues zu starten - nichts zu rekonstruieren, was ein Axel Milberg f\u00fcr unseren \"Tatort\" getan hat\u00bb, sagt Bagriacik der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb hie\u00dfen die Filme auch nicht, der Kieler \u00abTatort\u00bb-Tradition entsprechend, \u00abSahin und ...\u00bb. Zugleich f\u00fcgt die neue Protagonistin hinzu: \u00abAuch wenn sowohl ich als auch Sahin es genossen haben mit diesem sehr interessanten Charakter.\u00bb In d\u00fcsteren Bildern, bei leise pochender Musik sieht man in \u00abUnter Freunden\u00bb eingangs einer jungen Frau beim Datenklau in einem schleswig-holsteinischen Vorzeige-Unternehmen zu. Bald treibt sie tot in der F\u00f6rde. Dann wird auch ihr unter Verdacht stehender Lebenspartner leblos aufgefunden - nach einem nur fingierten Suizid. Der Zuschauer wei\u00df, wer die Taten begangen hat. Es geht stattdessen um Verstrickungen, die eine bodenlose, von der Mafia infiltrierte Thriller-Atmosph\u00e4re schaffen - wobei das Skript nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich ist. Sahin erkl\u00e4rt vor meist m\u00e4nnlichen Kollegen und Vorgesetzten, dass sie das Vertrauen in die Polizei wiederherstellen wolle. Doch wem ist hier noch zu trauen? Subtiles Wortduell Der Film f\u00fchrt Sahin und die aus Brandenburg stammende Krieger erstmals zueinander. Die Hauptkommissarin will sich auf die rangh\u00f6here Dienstleiterstelle von Robert Schladitz (Thomas K\u00fcgel) bewerben - und muss sich daf\u00fcr der Befragung durch die zur\u00fcckgenommen und rational agierende Psychologin stellen. Das von beiden Schauspielerinnen sehr pr\u00e4zise gespielte Interview ger\u00e4t zu einem subtilen Wortduell. Man darf also gespannt sein, wie sich das pers\u00f6nliche Verh\u00e4ltnis der Kolleginnen entwickeln wird. Die \u00abTatorte\u00bb drei und vier sind bereits abgedreht (Sendetermine wohl 2027), zwei weitere stehen kurzfristig auf dem Plan. \u00abElli Krieger und Sahin sind zwei Frauen auf Augenh\u00f6he\u00bb, sagt Bagriacik, \u00abdabei bietet uns die Position meiner Kollegin als Polizeipsychologin noch mal ganz neue Perspektiven.\u00bb Den Dreh begleitet hat die Hamburger Kriminalpsychologin und Sachbuchautorin Claudia Brockmann (\u00abWarum Menschen t\u00f6ten\u00bb). Und die renommierte Schuch \u00fcberzeugt in ihrer Rolle ein wenig vielleicht auch deshalb, weil sie einen Abschluss in Psychologie von der FU Berlin hat. \u00abSicherlich hat man dann noch mal einen anderen Zugang dazu\u00bb, sagt die 34-J\u00e4hrige der dpa. Als Schauspielerin mache so ein Studium besonderen Sinn - \u00abman kann auf Gelerntes zur\u00fcckgreifen. Manches ist einem dadurch zug\u00e4nglicher.\u00bb Mit Handkamera gefilmt So kommt bei aller Gewalt und Polizei-Professionalit\u00e4t das Zwischenmenschliche nicht zu kurz. Oft wird mit Handkamera gefilmt, die ganz nah an die Figuren r\u00fcckt, w\u00e4hrend der Hintergrund verschwimmt. Anr\u00fchrend ist das Wiedersehen Sahins mit ihrer Freundin aus Berliner Polizeischultagen, Anna Nowak. Die verloren und verletzt wirkende junge Frau - feinf\u00fchlig gezeichnet von Film- und Theaterstar Lilith Stangenberg (\u00abStammheim - Zeit des Terrors\u00bb) - hat sich nach Kiel versetzen lassen, um dem Sumpf der Hauptstadt zu entkommen. Und freut sich kindlich auf das Zusammensein mit der gefestigten Kollegin. Dass ausgerechnet sie Anlass sein wird, dass alles anders kommt, als es auf Sahins Karriereplan steht, ahnt zun\u00e4chst niemand. Bei Sahins beruflichem Werdegang spielt der Migrationshintergrund keine Rolle. Dazu geh\u00f6rt, dass sie - zweisprachig lebend - den Zusammenhalt mit der t\u00fcrkischen Community in Kiel pflegt und bed\u00fcrftige Menschen in der T\u00fcrkei unterst\u00fctzt. Diese Darstellung, die zugleich ein gesellschaftspolitisches Statement ist, sch\u00e4tzt auch Bagriacik, die in Ankara geboren wurde und in Berlin aufwuchs, wo sie noch heute mit ihrem Sohn lebt. \u00abUnter Freunden\u00bb thematisiert den Aspekt dennoch - wenn Sahin der Psychologin erz\u00e4hlt, dass ihre Familie fr\u00fcher oft von der Polizei angehalten wurde, weil das Auto alt war und man vielleicht anders ausgesehen h\u00e4tte. \u00abWir sind mit dem Gef\u00fchl aufgewachsen, potenziell immer verd\u00e4chtig zu sein.\u00bb Auf Kriegers Frage, ob sie deshalb zur Kripo gegangen sei, antwortet Sahin l\u00e4chelnd: \u00abVielleicht - ja.\u00bb \u00a9 dpa-infocom, dpa:261006-930-795443/2