|
06.06.2026
07:23 Uhr
|
Vor möglichen Verhandlungen hat der russische Staatschef Altkanzler Schröder getroffen, der als möglicher Vermittler gilt. Zum Inhalt des Gesprächs wurde nichts bekannt.

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist in Moskau vom russischen Präsidenten Wladimir Putin empfangen worden. Es sei »ein gutes Gespräch« gewesen, sagte Präsidentenberater Juri Uschakow nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Das Treffen habe im Kreml stattgefunden. Zum Inhalt könne er nichts sagen, weil es sich um ein »Gespräch unter vier Augen« gehandelt habe, fügte Uschakow hinzu. »Ja, sie haben sich getroffen – es war ein gutes Gespräch«, sagte der Putin-Berater laut Interfax auf eine entsprechende Frage von Journalisten. Die Nachfrage, ob auch Aussichten auf Verhandlungen zwischen Russland und der EU erörtert worden seien, beantwortete er nicht. Das Gespräch sei »freundschaftlich« verlaufen, hieß es lediglich. Schröder wäre Putins bevorzugter Vermittler Putin hatte in Bezug auf Bemühungen um eine Beendigung des Ukrainekriegs Schröder im vergangenen Monat als seinen bevorzugten Vermittler von europäischer Seite genannt. Bei einer Pressekonferenz antwortete er auf die Frage, wer sein favorisierter Kandidat für die Wiederaufnahme eines Dialogs mit Europa sei: »Persönlich bevorzuge ich den früheren Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Schröder.« Der frühere SPD-Chef gilt als persönlicher Freund Putins und war auch nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für russische Energiefirmen tätig. In Brüssel und Berlin wurde der Vorschlag skeptisch aufgenommen . Angesichts Schröders Vergangenheit als Lobbyist für russische Staatsunternehmen sei »klar«, warum Putin ihn als Vermittler haben wolle, sagte beispielsweise die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verbat sich Einmischungen von außen in der Frage. »Wir Europäer entscheiden selbst, wer für uns spricht. Niemand anders«, sagte er Mitte Mai. Außerdem zweifelte Merz daran, dass es auf russischer Seite tatsächlich Verhandlungsbereitschaft gebe. Trotzdem bereitet sich die Bundesregierung auf Verhandlungen mit Russland vor . Am Sonntag berät das E3-Format Am Sonntagabend wird es nach Angaben eines britischen Regierungssprechers Beratungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und des britischen Premiers Keir Starmer mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in London geben. Die sogenannte E3-Gruppe war bereits im vergangenen Jahr über Gespräche mit den USA und der Ukraine an den Bemühungen um ein Ende des Krieges beteiligt. Im Juni und Juli stehen zudem mehrere Gipfeltreffen an, bei denen das Thema eine Rolle spielen könnte. Übernächste Woche kommt zunächst die G7 der wirtschaftsstarken westlichen Demokratien und dann die EU auf Spitzenebene zusammen. Anfang Juli folgt der Nato-Gipfel in der Türkei. Die Beziehungen zwischen der EU und Russland sind seit dem russischen Einmarsch in das Nachbarland Ukraine 2022 und der Unterstützung der Ukraine durch die EU zerrüttet. Schröder war Aufsichtsrat von Rosneft Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. In seiner Regierungszeit baute er gute Beziehungen zu Wladimir Putin auf, der seit 2000 Präsident der Russischen Föderation ist. Zum Ende von Schröders Amtszeit vereinbarte er mit Putin den Bau der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream unter Umgehung der Ukraine. Später wurde Schröder zuerst Aufsichtsratschef der Nord Stream AG und im weiteren Verlauf auch des russischen Energiekonzerns Rosneft. Das brachte ihm den Ruf eines russischen Lobbyisten ein. Dennoch war der Altkanzler zu Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im März 2022 auf Bitten der ukrainischen Regierung kurzzeitig als Vermittler tätig – erfolglos. Ob der 82-Jährige gesundheitlich einer Vermittlerrolle gewachsen wäre, bleibt dabei im Unklaren. 2025 hatte er Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.