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06.06.2026
10:48 Uhr
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Die Familie Bolsonaro strebt in Brasilien wieder an die Macht. Der gute Kontakt zum US-Präsidenten soll dabei helfen. Das könnte auch nach hinten losgehen.

Von dem Besuch, der in Brasilien für Zündstoff sorgt, gibt es ein Foto. Darauf steht der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro hinter dem grinsenden US-Präsidenten Donald Trump. Die Aufnahme entstand, als Flávio Bolsonaro vor wenigen Tagen mit seinem Bruder Eduardo im Weißen Haus zu Gast war. Die Söhne von Ex-Präsident Jair Bolsonaro wollten Trump dazu überreden, die größten Mafiaorganisationen Brasiliens – Primeiro Comando da Capital (PCC) und Comando Vermelho (CV) – als Terrorgruppen einzustufen. Trump kam der Bitte nach, zum Jubel der brasilianischen Rechten – und zum Ärger des linken Präsidenten Lula da Silva sowie der meisten Sicherheitsexperten. Sie glauben, dass sich das organisierte Verbrechen nicht militärisch bekämpfen lasse und warnen davor, dass die USA nun verdeckte Operationen in Brasilien durchführen könnten. In knapp vier Monaten wird in Brasilien gewählt, und der Besuch Flávio Bolsonaros bei Trump war auch als Befreiungsschlag für den 45-jährigen Senator gedacht. Mitte Mai waren enge Verbindungen zwischen ihm und dem Banker Daniel Vorcaro bekannt geworden. Vorcaro ist Gründer der kollabierten Banco Master, die Ausgangspunkt ist für einen der größten Finanzskandale Brasiliens. Die dadurch ausgelösten Ermittlungen wegen Betrugs, Korruption und Geldwäsche reichen bis tief in Brasiliens Politik und Justiz hinein. Seit die Nachrichtenplattform The Intercept Aufnahmen von Gesprächen zwischen Vorcaro und Flávio Bolsonaro veröffentlicht hat, zweifeln sogar Unterstützer Bolsonaros an seiner Eignung als Herausforderer Lulas. Die Umfragen hatten bis dahin ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen beiden vorausgesagt. Das Treffen im Weißen Haus sollte sowohl Bolsonaros Entschlossenheit im Kampf gegen die Kriminalität zeigen, als auch seine Vertrautheit mit Trump, dem Idol der brasilianischen Rechten. Das Manöver schien zu gelingen – bis Donald Trump wenige Tage später überraschend neue Strafzölle von 25 Prozent gegen Brasilien ankündigte. Die Begründung: Brasilien benachteilige US-Unternehmen. Brasiliens Präsident Lula da Silva reagierte wütend. Er war davon ausgegangen, dass der Zollstreit mit den USA beigelegt worden sei. Auslöser sei, dass Flávio Bolsonaro in den USA antichambriert habe. Der Mann sei ein »Vaterlandsverkäufer« und schlimmer als der Vater. Von den angedrohten Zöllen sollen zwar wichtige brasilianische Produkte ausgenommen bleiben, etwa Seltene Erden, Kaffee, Fleisch und Flugzeuge, dennoch würden sie Brasiliens riesige Exportwirtschaft hart treffen, gälten etwa für verarbeitete Lebensmittel, Holzprodukte und Textilien. Ob Flávio Bolsonaro bei Trump tatsächlich auf die Strafzölle hingewirkt hat, um die Regierung Lula unter Druck zu setzen, ist nicht belegt. Allerdings hat die Familie Einfluss. Bereits im vergangenen Jahr warben sie bei Trump für US-Sanktionen gegen ihr Land. Damals stand Vater Jair Bolsonaro wegen eines versuchten Staatsstreichs in Brasília vor Gericht . Trump glaubte offenbar, er könne durch Sanktionen und Zolldrohungen einen Freispruch für Jair Bolsonaro erzwingen. Doch sowohl Lula als auch die Richter verbaten sich die Einmischung – der Ex-Präsident wurde verurteilt zu 27 Jahren Haft. Nun scheint das Spiel von vorn loszugehen. Zusätzlich zu den 25 Prozent Strafzöllen für Brasilien hat Trump eine globale Zolloffensive von zehn bis 12,5 Prozent verkündet. Auch sie würde Brasilien treffen. Washington rechtfertigt sie mit angeblich unzureichenden Maßnahmen gegen Zwangsarbeit. Weitaus problematischer ist jedoch die Androhung der Strafzölle – nicht nur wegen der Höhe, sondern weil die US-Regierung Brasilien dadurch zwingen will, wichtige nationale Errungenschaften aufzugeben. Im Zentrum der US-Beschwerden steht das erfolgreiche Bezahlsystem Pix der brasilianischen Zentralbank. Es wird jeden Tag im Durchschnitt rund 230 Millionen Mal genutzt und ermöglicht einen reibungslosen, sekundenschnellen und kostenfreien Zahlungsverkehr. Washington argumentiert, dass das System unfaire Vorteile gegenüber profitorientierten US-Anbietern genieße.